NABERS oder: Warum sind andere Länder so viel weiter beim Thema Klima-Benchmarking als Deutschland?

Wenn es um die Frage geht, wie die Immobilien unserer Kunden im Vergleich beim Thema Energie und Klimaschutz dastehen, kommen drei Probleme immer wieder auf:

  1. Es gibt für Deutschland keine Vergleichsdaten für Gewerbeimmobilien,
  2. unsere Energieausweise beruhen auf veralteten Daten, die die Realität nicht widerspiegeln und
  3. die Verbrauchsdatenermittlung gestaltet sich aufgrund ihrer Komplexität insbesondere für Mietflächen mitunter sehr schwierig.

Warum machen wir es uns in Deutschland so schwer? Manchmal lohnt ein Blick auf Länder, die in der öffentlichen Wahrnehmung nicht unbedingt als Vorreiter beim Thema klimafreundliches Bauen genannt werden: In Großbritannien ist vor 3 Monaten ein Ableger des in Australien seit 20 Jahren etablierten, pragmatischen Bewertungsstandards NABERS eingeführt worden. In einem jährlichen Intervall bewertet NABERS die tatsächliche Gebäudeperformance nach einem Sternesystem (1 – 6 Sterne) und erlaubt dadurch Gebäudeeigentümern ein Benchmarking mit vergleichbaren Gebäuden. So führen Optimierungen und Wettbewerb zu kontinuierlicher Ambitionssteigerung und hoher Markttransparenz – man kann sofort sehen, ob ein Gebäude wirklich gut geplant war und effizient betrieben wird.

Während NABERS in Australien ein staatliches Instrument ist, wird das Rating-System in UK von BRE operativ verwaltet und zusammen mit Better Building Partnerships (BBP) strategisch weiterentwickelt. An der Entwicklung beteiligt war zudem ein Zusammenschluss aus einigen der größten Immobilieninvestoren der Insel, die seit etwa 10 Jahren auch Benchmarking-Erhebungen durchführen. Geboren wurde dies aus der Erkenntnis, dass die Finanzwirtschaft “investment grade” Daten über Nachhaltigkeit und insbesondere Kompatibilität mit Klimazielen benötigt.

Parallel wird zudem ein NABERS “Design for Performance” in Großbritannien eingeführt, um den Planungs- und Bauprozess einer neuen Immobilie so zu begleiten, dass das fertiggestellte Gebäude auch in der Praxis die angestrebten Energiewerte einhält. Dies wird insbesondere für Investoren immer wichtiger, da diese nach Ankauf einer Immobilie keine Überraschungen erleben wollen.

Der Bedarf nach einer verlässlichen, aktuellen und deutschlandweiten Datengrundlage in Bezug auf Gebäude-Benchmarking ist enorm hoch und Akteure aus unterschiedlichsten Lagern suchen händeringend nach Lösungen. Auch bei uns in Deutschland muss möglich werden, was in anderen Ländern schon längst Standard ist.

Die “Langfristige Renovierungsstrategie der Bundesregierung” – da geht noch was!

Viele von uns, die sich schon seit einigen Jahren mit ESG im Immobiliensektor befassen, sehen neuen Strategiedokumenten aus Berlin mit gemischten Gefühlen entgegen: Auf der einen Seite bekräftigt die Bundesregierung wichtige Ziele, benennt Absichten, zeigt Korridore auf – und auf der anderen Seite enthalten die Papiere dann recht wenig, wenn es um die konkreten Politikmaßnahmen geht, jedenfalls praktisch nie genug, um die gesteckten Ziele auch zu erreichen. Mitte März werden die Emissionsdaten des Gebäudesektors für 2020 veröffentlicht werden. Man darf gespannt sein, ob es wie in 2019 einen signifikanten Anstieg gegeben hat. Sicherlich wird man sich auch außerhalb von Einflüssen wie Außentemperaturen und Öl- und Gaspreisen Gedanken für die Auswirkungen von Lockdowns und Home Office machen müssen.

Ich hatte kürzlich einmal wieder einen Anlass, einen Blick in die “Langfristige Renovierungsstrategie der Bundesregierung” – kurz LTRS – aus dem Jahr 2020 zu werfen. Die LTRS ist ein von der EU-Gebäuderichtlinie gefordertes Dokument, welches das Bundeswirtschaftsministerium nach Brüssel melden musste. Und es ist leider ein Paradebeispiel des Genres: Auf 100 Seiten werden Fakten über Deutschlands Gebäude zusammengetragen, Förderprogramme und Regulierungen aufgelistet und grobe Ziele gesetzt. Die eigentlich geforderten Meilensteine für 2040 und 2050 werden nicht geliefert, obwohl ein Bekenntnis zu einem klimaneutralen Deutschland 2050 enthalten ist. Von einer echten Strategie, einem klaren Zusammenwirken der Instrumente zur Zielerreichung oder einem schlüssigen Monitoringkonzept fehlt jede Spur. Für Nichtwohngebäude stehen nur sehr rudimentäre Daten zur Verfügung. Das scheint aber kein Anlass zur Sorge zu sein denn eine detailliertere Aufschlüsselung der gesamten Verbrauchsentwickung wird erst für 2024 angekündigt.

10 Jahre nach dem ersten Energiekonzept, fünf Jahre nach Paris, zwei Jahre nach Verabschiedung der neuen EU-Gebäuderichtlinie und mit nur noch 10 Jahren bis zur Erreichung der ambitionierten 2030-Klimaziele ist das einfach zu wenig. Wir brauchen schnell eine echte Gebäudestrategie mit dem verbindlichen Ziel Klimaneutralität für diesen Sektor bis 2050 und den entsprechenden Instrumenten dahinter. Denn der Markt muss jetzt sehr schnell handeln, ohne dafür aktuell die klaren Leitplanken aus der Politik zu haben, die er eigentlich braucht. Werden diese in Zuge der Renovation Wave und der Taxonomiekriterien dieses Jahr letztlich aus Brüssel kommen? Oder bauen wir uns die Leitplanken selbst?

To be continued…

EVORA Global heißt Verena Lücking im Deutschland-Team willkommen

Nach dem erfolgreichen Start unseres deutschen Unternehmens Ende Dezember freuen wir uns sehr, dass Verena Lücking sich dazu entschlossen hat, unserem Team als Senior Consultant beizutreten und uns in unserer Mission, den Gebäudesektor produktiver, rentabler und zukunftsfähiger zu machen, zu unterstützen.

Als Architektin und REAP-Expertin hat Verena fundierte Kenntnisse in der Immobilienplanung und -beratung und verstärkt unsere Experten-Teams gerade im Bereich für kreislaufwirtschaftliche und auf ESG basierende Strategien auf Gebäude- und Portfolioebene sowie Social Value.

“Die kommenden Jahre sind nicht nur entscheidend für die Bewältigung unserer klimatischen Herausforderungen, sondern auch eine große Chance, unsere Städte, unseren Lebensunterhalt und unseren Lebensstil in eine neue Qualität innerhalb der planetarischen Grenzen zu führen. Für diese nachhaltige Entwicklung, die mittlerweile in unseren Händen liegt, ist die gebaute Umwelt ein wesentlicher Faktor. Ich freue mich sehr darauf, zu dieser bedeutenden Zeitspanne beizutragen und kann es kaum erwarten, das Ergebnis (oder: die Verbesserungen für uns alle) zu sehen.”

Verena Lücking

Dank unserer talentierten und hoch motivierten Mitarbeiter wie Verena sind wir in der Lage, unsere internationalen Wachstumsstrategie zu realisieren und damit gerade die neuen Herausforderungen wie TCFD, Taxonomie und europaweite Klimaneutralitätsziele mit und für unsere Kunden anzunehmen.

Willkommen in der EVORA-Familie, liebe Verena!