Das neue Lieferkettengesetz – Kommen Sie Ihrer Pflicht nach?

Am 25. Juni 2021 hat der Bundesrat den zuvor vom Bundestag beschlossenen Entwurf zum Lieferkettensorgfaltspflichtgesetz, kurz LkSG, gebilligt.

Das Gesetz hat das Ziel einen Rahmen für faire Lieferketten zu schaffen und den Schutz der Menschenrechte zu verstärken. Es geht um die Einhaltung von grundlegenden Menschenrechtsstandards in der Lieferkette, wie z.B. das Verbot von Kinderarbeit.

Es tritt ab 2023 für Unternehmen mit mehr als 3.000 Mitarbeitenden in Kraft, ab 2024 gilt es dann auch für Unternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitenden.

Zum Hintergrund

Aktuell arbeiten 79 Millionen Kinder weltweit unter ausbeuterischen Bedingungen in Textilfabriken, Steinbrüchen oder auch Kaffeeplantagen. 25 Millionen Menschen verrichten Zwangsarbeit und immer häufiger gehen Umweltzerstörung auch einher mit Menschenrechtsverletzungen.

Laut einem NAP-Monitoring Bericht (Nationaler AktionsPlan) aus den Jahren 2019/20 geht hervor, dass weniger als 20% der deutschen Unternehmen ihrer unternehmerischen Sorgfaltspflicht nachkommen. Dabei befürworten 75% der deutschen Bevölkerung eine gesetzliche Regelung in diesem Bereich. Der öffentliche Druck steigt zunehmend und wurde darüber hinaus in Form einer Petition für ein deutsches Lieferkettengesetz mit mehr als 200.000 Unterschriften verstärkt.

Der bis dahin freiwillige Nationale Aktionsplan Wirtschaft und Menschenrechte (NAP) wird nun durch die verpflichtenden Regelungen des LkSGs ersetzt. Ziel des neuen Gesetzes ist es, deutsche Unternehmen in die Verantwortung zu nehmen, um faire Wertschöpfungsketten zu gestalten, fair zu produzieren und soziale und ökologische Mindeststandards zu gewährleisten, um damit für ihre menschrechtliche Sorgfaltspflicht einzustehen.

Zentrale Regelungen

Die zentralen Regelungen definieren neben den Pflichten der Unternehmen beim Schutz von Menschenrechten auch die Verantwortung für die gesamte Lieferkette – vom Rohstoff zum fertigen Produkt. Die Einhaltung wird extern durch das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) sichergestellt und Versäumnisse oder Verstöße mit Bußgeldern und sogar dem Ausschluss von der öffentlichen Beschaffung bestraft.

Zukünftige Pflichten der Unternehmen umfassen u.a.:

  • Grundsatzerklärung zur Achtung der Menschenrechte
  • Risikoanalyse & Risikomanagement
  • Beschwerdemechanismus
  • Transparente Berichtserstattung
  • Dokumentation und Berichtswesen
  • Unmittelbarer Zulieferer: Konkreter Plan zur Minimierung & Vermeidung
  • Mittelbarer Zulieferer: Sorgfaltspflicht nur anlassbezogen

Chancen und Risiken

Das Gesetz bietet durch eine verantwortungsvolle Wertschöpfungskette auch Chancen für alle Beteiligte. So können das Vertrauen und die Reputation der Stakeholder (Zulieferer, Mitarbeitende und Kunden) durch die Sicherstellung von fairem Handeln verbessert bzw. aufgebaut werden. Zudem können soziale Risiken und Umweltrisiken durch aktive Steuerung und Einflussnahme minimiert werden.

Für Unternehmen in der Immobilienbranche kommt das Lieferkettengesetz – neben dem eigenen Unternehmen – auch im Bereich Neubau / Entwicklung auch beim Management von Bestandsobjekten zum Tragen. Sofern hier noch keine Compliance Prozesse vorhanden sind, so gilt es zunächst die Lieferketten zu analysieren und Risiken zu identifizieren. Dies mit dem Ziel menschenrechtliche und umweltbezogene Risiken zu verhindern, zu beenden und abzumildern. Es gilt demnach die Einkaufs- und Beschaffungsrichtlinien von Neu- und Bestandobjekten in Zukunft noch genauer unter die Lupe zu nehmen und sofern erforderlich, Verträge mit Partnern, Dienstleistern und Zulieferern nachzuschärfen.

Ausblick und Kritik

Langfristig ist eine einheitliche und europäische Regelung geplant. Deutschland hat dazu im Rahmen der EU-Ratspräsidentschaft eine sog. Ratsschlussfolgerung zum Thema Menschenrechte und gute Arbeit in globalen Lieferketten eingebracht, welche durch alle 27 EU-Mitgliedstaaten bestätigt wurde.

Jedoch gibt es auch Kritik an dem neuen Gesetz. So beschreibt der „§ 3 LkSG sog. „Bemühenspflichten“ für Unternehmen, die weder eine Erfolgspflicht noch eine Garantiehaftung bedeuten. Sämtliche vorausgesetzte Sorgfaltspflichten stehen somit unter einem „Angemessenheitsvorbehalt“, der Unternehmen einen Ermessens- und Handlungsspielraum einräumt. Denn es wäre – so heißt es – unbillig, Unternehmen, auch wenn sie Menschenrechte sowie Umweltbelange beachten müssen, Unmögliches abzuverlangen.

Zudem sind globale Wertschöpfungsketten sehr komplex, was eine zuverlässige Risikoanalyse schwierig gestaltet. Außerdem sind kleine Unternehmen von dem Gesetz komplett ausgeschlossen und nicht der Einhaltung verpflichtet. Insgesamt deckt das Gesetz in Deutschland nur und 600 Unternehmen ab.

Wenn auch Sie sich mit Ihrem eigenen Immobilienunternehmen oder dem Portfolio im Bereich sozialer und ökologischer Verantwortung zukünftig gut aufstellen wollen, sind Sie bei EVORA Global an der richtigen Stelle.  Wir beraten Sie umfassend im Bereich ESG (Environmental Social Governance) und entwickeln gemeinsam für und mit Ihnen eine maßgeschneiderte Strategie – sprechen Sie uns an.

Finale EU-Taxonomiekriterien veröffentlicht – alles klar für den Immobiliensektor?

Klare Kriterien sollen dem Finanzsektor den Weg zu mehr Nachhaltigkeit weisen. Auch bei Immobilieninvestments soll transparenter werden, ob sie klimafreundlich sind. Die Europäische Kommission hat dafür am 21. April endlich den lange erwarteten, sogenannten delegierten Rechtsakt mit den technischen Bewertungskriterien für die Klimaschutzziele der seit 2020 geltenden EU-Taxonomie-Verordnung veröffentlicht: https://ec.europa.eu/info/law/sustainable-finance-taxonomy-regulation-eu-2020-852/amending-and-supplementary-acts/implementing-and-delegated-acts_en

Ab dem 1. Januar 2022 soll auf dieser Grundlage für alle Kapitalverwalter und Immobilienfonds bei Ihrer Berichterstattung bestimmbar sein, wann ein Investment als nachhaltig im Sinne der Taxonomie gilt. Der delegierte Rechtsakt zur Taxonomie soll Ende Mai offiziell verabschiedet werden.

Werfen wir einen näheren Blick auf die Anforderungen an nachhaltige Immobilien bzw. an deren Bau, Ankauf/Verkauf, Halten im Bestandsportfolio oder Renovierung:

Neubau:
Neubauten ab dem 1.1.2021 gelten als taxonomiekonform, wenn das Gebäude primärenergetisch 10 % besser als ist das jeweils national definierte „nearly Zero Energy Building“ (nZEB). In Deutschland bedeutet dies, dass ein Neubau um mindestens 10 % besser sein muss als der gesetzlich geforderte Standard nach dem Gebäudeenergiegesetz (GEG). Bei größeren Objekten (> 5.000 m2) sind außerdem Qualitätschecks (Luftdichtheit & thermische Integrität) sowie eine Ausweisung des Lifecycle Global Warming Potentials notwendig.

Bestandsimmobilien:
Bestandsimmobilien mit Baujahr vor 2021 müssen entweder die Effizienzklasse A laut Energieausweis erreichen oder nachweislich zu den besten 15 % des Bestands in Bezug auf den Primärenergiebedarf (national oder regional, differenziert nach Wohn- oder Nichtwohngebäuden) gehören. Außerdem gibt es für große Nichtwohngebäude Anforderungen an das Energiemanagement und die Gebäudeautomation, wenn die Nennleistung des Gebäudes inkl. Heizungsanlage, Anlagen für kombinierte Raumheizung und -lüftung, Klimaanlagen oder Anlagen für kombinierte Klima- und Lüftungsanlagen eine Leistung von 290 kW übersteigt.

Sanierungsmaßnahmen:
Einzelmaßnahmen zur energetischen Modernisierung wie die Installation effizienter technischer Gebäudeausrüstung, Fassadensanierungen sowie die Installation von Erneuerbare-Energien-Erzeugungsanlagen und E-Ladestationen sind ebenfalls taxonomiekonform. Bei Vollsanierungen reicht laut Taxonomie die Erfüllung der nationalen energetischen Mindestanforderungen an solche Sanierungen (aus dem GEG) oder eine Verbesserung von Minus 30 % in Bezug auf den Primärenergiebedarf durch die Sanierung, um das ganze Vorhaben als nachhaltig einzustufen. Planung- und Beratungsleistungen rund um die energetische Verbesserung von Immobilien gelten ebenfalls als nachhaltige Aktivität.

“Do no significant harm” (DNSH):
Neben den Hauptkriterien an die Energie-Performance von Gebäuden gelten noch Nebenanforderungen, die sicherstellen sollen, dass Bauaktivitäten die Umwelt nicht an anderer Stelle belasten. Hierzu gehören etwa Anforderungen an den maximalen Schadstoffgehalt von verwendeten Baustoffen oder deren Recycling, deren Einhaltung dokumentiert werden muss.

Also alles klar? Nicht ganz, es bleiben eine Reihe von Unsicherheiten, u.a.:

  • Die Kriterien wurden zum Teil in letzter Minute noch aufgeweicht und werden voraussichtlich in der Zukunft wieder angeschärft werden müssen, denn jedes Land definiert z.B. das nZEB anders, und in praktisch keinem EU-Mitgliedsstaat ist die Definition 2050-kompatibel. Es kann sich also lohnen, etwa bei Neubauprojekten heute schon mit einer attraktiven KfW-Förderung ambitionierter zu bauen, als für eine reine Taxonomie-Erfüllung nach heutigem Stand notwendig wäre.
  • Die Anforderungen an vor 2021 errichtete Bestandsobjekte bedeuten de facto, dass in allen Ländern die besten 15 % als nachhaltig deklariert werden können, egal wie energetisch gut oder schlecht der jeweilige Bestand ist. Allerdings lässt sich nach aktueller Lage in Deutschland für Nichtwohngebäude die Einstufung kaum nachweisen, da für sie bislang weder Effizienzklassen im Energieausweis eingeführt sind noch eine belastbare aktuelle Statistik oder öffentlich zugängliche Auswertungen von Energieausweis-Datenbanken vorliegen. Hier steht die Investment-Branche perspektivisch vor einem ganz praktischen Problem und die Bundesregierung muss schleunigst nacharbeiten.
  • Zum Nachweis der Erfüllung der Kriterien, gerade auch beim Thema DNSH, kann eine Menge Dokumentation anfallen. Hierfür braucht es die entsprechenden Standardprozesse, um die notwendigen Daten überhaupt zu ermitteln, und am besten eine gute elektronische ESG-Gebäudeakte, wie sie etwa durch die EVORA-eigene Software SIERA bereitgestellt werden kann.
  • Auch wenn viele Marktakteure erst noch an der Datenerfassung für die neuen Klima-Kriterien arbeiten, will die EU-Kommission schon Mitte 2021 den Konsultationsprozess für den nächsten Taxonomie-Kriterienkatalog starten. Dann geht es jenseits von Klimaschutz um die Nachhaltigkeitsthemen Meeres- und Gewässerschutz, Kreislaufwirtschaft, Reduzierung der Umweltverschmutzung und Erhalt der Biodiversität. Auch hier kommen auf den Gebäudesektor neue Herausforderungen zu.

Und wie taxonomiekonform ist Ihr Portfolio? Und wie sehen momentan Ihre Prozesse aus, um Ihren verschiedenen Stakeholdern diese Fragen sicher beantworten zu können? Wir unterstützen Sie gerne dabei, strategisch und operativ alle Herausforderungen durch die neuen Anforderungen zu meistern und Ihre Immobilieninvestments nachhaltig aufzustellen.

Wer hat Angst vor der EU-Taxonomie?

Die Bundesregierung will noch vor den Feiertagen das „Fondsstandortgesetz“ durchs Parlament bringen. Es soll fristgerecht unter anderem zwei EU-Verordnungen umsetzen, die das Thema nachhaltige Investitionen auch im Immobilienmarkt komplett umkrempeln werden. Worum geht es? 

Die EU hat in jüngster Zeit ein Regelwerk dafür aufgestellt, wie Finanzmarktakteure und alle Unternehmen, die zu non-financial reporting verpflichtet sind, zukünftig über die Nachhaltigkeit Ihrer Aktivitäten berichten müssen. Dies betrifft sowohl die Unternehmensebene als auch individuelle Finanzprodukte. Ein besonderes Augenmerk wurde auf als „grün“ beworbene Finanzprodukte gelegt, bei denen Greenwashing vermieden werden soll.

In der sogenannten EU-Taxonomie sollen einheitliche Bewertungsstandards jetzt dafür sorgen, dass nachhaltige Investitionen zum Beispiel im Immobiliensektor klar definierte Kriterien (sogenannte „screening criteria“) bekommen. Dank mehr Transparenz soll mehr Kapital in grüne Investments fließen. Der Fokus liegt zunächst auf Umweltaspekten, und dabei vor allem auf der Klimawirkung. Die EU-Kommission will diese technischen Definitionen in Kürze finalisieren. Spätestens ab Anfang 2022 sind die neuen Regeln dann anzuwenden.

Und wann ist ein Gebäude nachhaltig? Aktuelle Entwürfe sehen bei Neubauten oder Immobilientransaktionen etwa Anforderungen an den Energieverbrauch vor, die deutlich ambitionierter als die gesetzlichen Standards in Deutschland sind. Populäre Nachhaltigkeitssiegel spielen hingegen keine maßgebliche Rolle.

Wissen Sie, ob Sie von den neuen Vorgaben betroffen sind? Haben Sie schon einen Plan, wie und auf welcher Datengrundlage Sie bewerten und berichten, welche Ihrer Aktivitäten unter die Taxonomie fallen? 2021 kommt die Zeit, diesen Plan zu schmieden.

Lassen Sie uns darüber sprechen. Evora hilft seit 10 Jahren spezialisiert und erfolgreich Klienten dabei, klimapolitische Risiken und Chancen zu verstehen und sich strategisch von der Fondsebene bis zum einzelnen Objekt zukunftssicher und wertoptimierend aufzustellen.

Jetzt auch in Deutschland.

Die EU macht ernst beim Klimaschutz – Mindeststandards für den Gebäudebestand sind in Arbeit

Für Immobilienhalter könnten sich die Rahmenbedingungen für Investitionsentscheidungen zum Themen Klimaschutz schon sehr bald fundamental ändern.

Und hier geht es nicht um das am 1. November in Kraft getretene Gebäudeenergiegesetz (GEG), das größtenteils nur bestehende Regeln fortschreibt. Es ist die EU-Kommission, die vorprescht. Als Teil Ihrer „Renovation Wave“ wird sie bis Ende 2021 Vorschläge zu energetischen Mindeststandards für Bestandsgebäude vorlegen. Ähnlich wie bereits in den Niederlanden, UK und Frankreich, könnten dann auch in Deutschland und anderen europäischen Ländern in einigen Jahren etwa Neuvermietungs- oder Verkaufsbeschränkungen für die energetisch schlechtesten Bürogebäude greifen. Denn die vorgesehene, weitere Verschärfung der EU-Klimaschutzziele wird auch für den deutschen Gebäudesektor mehr Ambition bedeuten. Schon heute liegt das deutsche 2030-Ziel für Gebäude bei -40% CO2 gegenüber heute.

Für Investoren bedeutet dies zum einen die lang ersehnten, klareren klimapolitischen Ansagen, auf deren Basis Investitionsentscheidungen getroffen werden können. Zum anderen fragen sich viele jetzt, welche Maßnahmen notwendig sind, um die Wertentwicklung ihres Portfolios nicht zu gefährden, wenn aus theoretischem Klimarisiko materielle Regulierung wird.

Lassen Sie uns darüber sprechen! EVORA hilft seit 10 Jahren spezialisiert und erfolgreich Klienten dabei, klimapolitische Risiken und Chancen zu verstehen und sich strategisch von der Fondsebene bis zum einzelnen Objekt zukunftssicher und wertoptimierend aufzustellen.