The difference a year makes…

Auf den Tag genau vor einem Jahr haben Melf Asmussen und ich den Startschuss für EVORA Deutschland gegeben. Dank der damaligen strengen Lockdown-Maßnahmen arbeiteten wir beide vom Home Office aus. Es war eine ziemlich surreale Erfahrung. Doch wir haben es hinbekommen, nicht zuletzt aufgrund des fantastischen Supportes durch unser etabliertes EVORA Global Team.

Was soll ich sagen, das erste Jahr verging wie im Flug und ich habe jeden Tag genossen. Heute sind wir ein 14 Frauen-und-Männer starkes Team mit breit gefächertem Fachwissen und betreuen erfolgreich mehr als 30 bestehende und neue EVORA-Kundenprojekte in Deutschland, der DACH-Region und darüber hinaus. Aber wir stehen erst am Anfang der ESG-Revolution. Weiterer Wachstum ist ganz deutlich in Sicht, um sowohl unserer Mission und dem Bedarf unserer Kunden gerecht zu werden.

Die vergangenen 12 Monate waren von vielen Höhepunkten geprägt. Ich bin besonders stolz darauf, dass wir schon heute die gesamte Brandbreite der globalen EVORA Beratungsleistungen und SIERA Sustainability Data Management Software Lösungen auch in der DACH-Region und gemäß lokaler Anforderungen abbilden können. Diese erfolgreiche Entwicklung inmitten einer Pandemie war nur möglich dank des großartigen Einsatzes meiner Kolleg*innen bei EVORA Deutschland und EVORA Global.

DANKE !!!

Wie auch ich verbringt das Team wieder einen Großteil seiner Zeit im Home Office. Es fühlt sich heute ein bisschen wie ein Déjà Vu an und die Team-Feier muss leider warten. Aber ich bleibe motiviert und positiv gestimmt, weil wir als Team und mit vielen unserer Kunden ein gemeinsames Ziel haben – unseren Beitrag zu leisten, um die Einführung von Nachhaltigkeit in der Immobilienbranche zu beschleunigen und so das Wohlergehen unserer Erde und seiner Bewohner zu verbessern.

In den Worten eines guten Freundes: More please!


Der Koalitionsvertrag und die Immobilienwirtschaft – Von klimaneutraler Wärme über Solarpflicht bis zu grauen Emissionen

Die kommende Ampelkoalition hat ihren Koalitionsvertrag veröffentlicht und darin ihre Prioritäten für die 20. Legislaturperiode definiert. Für die deutsche Immobilienbranche gibt es einige spannende Ankündigungen, die die dynamische Entwicklung weiter beschleunigen werden.

Eine der markantesten und sehr konkreten geplanten Änderungen betrifft das Gebäudeenergiegesetz (GEG). Ab 2025 soll jede neu eingebaute Heizung mit 65% erneuerbaren Energien betrieben werden. Ab 2024 müssen die ausgetauschten Gebäudeteile bei wesentlichen Ausbauten, Umbauten und Erweiterungen von Bestandsgebäuden mindestens Effizienzhaus-Standard 70 erfüllen. Neubau-Standard wird ab 2025 KfW-Effizienzhaus 40. Das Ambitionsniveau für die Planung der rechnerischen Energiebedarfe wird also weiter angehoben. Gleichzeitig wird die Wärmewende bei neuen Heizungen vorangetrieben.

Auch darüber hinaus gibt es einen ganzen Blumenstrauß an konkreten Maßnahmen:

  • Geeignete Dachflächen sollen für Solarenergie genutzt werden. Bei gewerblichen Neubauten soll es sogar eine Solarpflicht für Dachflächen geben.
  • In Rechenzentren soll Abwärme genutzt werden. Neue Rechenzentren sind ab 2027 klimaneutral zu betreiben.
  • Der CO2-Preis soll langfristig nicht mehr unter 60€ pro Tonne fallen.
  • An einigen Stellen im Vertrag wird auf die Bedeutung von Quartierslösungen für die nachhaltige Wärmebereitstellung hingewiesen. Wärmenetze sollen weiter ausgebaut werden und bis 2030 sollen 50% der Wärme klimaneutral erzeugt werden. Die Primärenergiefaktoren vieler Wärmenetze werden davon profitieren.
  • Auch Mieter können gespannt in die neue Legislaturperiode blicken. Zur weiteren Entspannung am Wohnungsmarkt soll der Neubau von 400.000 neuen Wohneinheiten beitragen, davon 100.000 öffentlich gefördert. Auch bei der Aufteilung der Zusatzbelastung der Heizkosten durch den zusätzlich zu bezahlenden CO2-Preis gibt es konkrete Ziele: Die Ampel möchte zum 1. Juni 2022 ein Stufenmodell nach Gebäudeenergieklassen einführen, nach dem sich Mieter und Vermieter die CO2-Kosten teilen sollen. Falls eine Einigung über die konkrete Ausgestaltung des Stufenmodells nicht erreicht wird, soll der CO2-Preis ab Juni 2022 zu je 50% zwischen Mieter und Vermieter aufgeteilt werden. 

Weitere angekündigte Maßnahmen sind noch nicht konkret beschrieben, zeigen aber in welche Richtung die Koalitionäre die Branche lenken möchten.

  • Die rechtliche und finanzielle Ausgestaltung von Mieterstrom- und Quartierskonzepten soll vereinfacht werden.
  • Ein sogenannter „Bau-, Wohnkosten und Klimacheck“ soll eingeführt werden. Es bleibt abzuwarten, was genau darunter verstanden wird.
  • Serielles Bauen und Sanieren sollen vereinfacht werden – insbesondere auch bei Genehmigungsprozessen.
  • Graue Energie („embodied carbon“) und Lebenszykluskosten sollen verstärkt betrachtet und in einem digitalen Gebäuderessourcenpass hinterlegt werden. Damit soll die Kreislaufwirtschaft in der Baubranche angekurbelt werden. Auch die Stichworte Holzbau, Leichtbau und Rohstoffsicherungsstrategien fallen hier.
  • Sanierungsfahrpläne sollen eine „breite, systematische Nutzung“ erfahren und für Wohnungseigentümergemeinschaften beim Kauf eines Gebäudes sogar kostenlos werden.
  • Der Gebäudeenergieausweis soll verbessert und digitalisiert werden. Die Erstellung eines digitalen Gebäudeenergiekatasters wird geprüft.
  • ESG-Ratings sollen in den Kreditratings der großen Ratingagenturen verbindlich berücksichtigt werden. Die Corporate Sustainability Reporting Directive der EU (CSRD) wird unterstützt und soll um europäische Mindestanforderungen ergänzt werden.

Und dann hat die Ampel noch eine erstaunlich konkrete Meinung zu einem der großen Trendthemen seit dem Start der Covid-19 Pandemie: dem Home Office. Hier sollen Arbeitnehmer künftig einen sog. Erörterungsanspruch über mobiles Arbeiten und Homeoffice erhalten. Der Arbeitgeber soll dem Wunsch des Arbeitnehmers nach mobilem Arbeiten nur dann noch widersprechen dürfen, wenn es betriebliche Gründe dafür gibt. Mobiles Arbeiten soll dann EU-weit „unproblematisch möglich sein“. Das Büro der Zukunft muss sich also weiterentwickeln, um ein attraktiver und produktiver Ort für Mitarbeiter zu bleiben.

An einigen Stellen ist der Koalitionsvertrag mit Bezug auf die Immobilienbranche sehr präzise und will den Worten auch schnell Taten folgen lassen. Statt Zielwerte für die kommenden Jahrzehnte zu beschreiben sind die Umsetzungsfristen teilweise nur wenige Jahre lang. Wenn es tatsächlich zur Umsetzung der angekündigten Maßnahmen kommt, wird das starken Rückenwind für die Transformation der Immobilienbranche und die Dekarbonisierung unserer Gebäude bedeuten. Das begrüßen wir bei EVORA sehr.

Investoren und Entwickler sind also gut beraten sinnvolle und ambitionierte Nachhaltigkeits-KPIs und ESG-Ziele bereits heute in alle Entscheidungen einzubeziehen. Wir unterstützen Sie gern!

Das neue Lieferkettengesetz – Kommen Sie Ihrer Pflicht nach?

Am 25. Juni 2021 hat der Bundesrat den zuvor vom Bundestag beschlossenen Entwurf zum Lieferkettensorgfaltspflichtgesetz, kurz LkSG, gebilligt.

Das Gesetz hat das Ziel einen Rahmen für faire Lieferketten zu schaffen und den Schutz der Menschenrechte zu verstärken. Es geht um die Einhaltung von grundlegenden Menschenrechtsstandards in der Lieferkette, wie z.B. das Verbot von Kinderarbeit.

Es tritt ab 2023 für Unternehmen mit mehr als 3.000 Mitarbeitenden in Kraft, ab 2024 gilt es dann auch für Unternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitenden.

Zum Hintergrund

Aktuell arbeiten 79 Millionen Kinder weltweit unter ausbeuterischen Bedingungen in Textilfabriken, Steinbrüchen oder auch Kaffeeplantagen. 25 Millionen Menschen verrichten Zwangsarbeit und immer häufiger gehen Umweltzerstörung auch einher mit Menschenrechtsverletzungen.

Laut einem NAP-Monitoring Bericht (Nationaler AktionsPlan) aus den Jahren 2019/20 geht hervor, dass weniger als 20% der deutschen Unternehmen ihrer unternehmerischen Sorgfaltspflicht nachkommen. Dabei befürworten 75% der deutschen Bevölkerung eine gesetzliche Regelung in diesem Bereich. Der öffentliche Druck steigt zunehmend und wurde darüber hinaus in Form einer Petition für ein deutsches Lieferkettengesetz mit mehr als 200.000 Unterschriften verstärkt.

Der bis dahin freiwillige Nationale Aktionsplan Wirtschaft und Menschenrechte (NAP) wird nun durch die verpflichtenden Regelungen des LkSGs ersetzt. Ziel des neuen Gesetzes ist es, deutsche Unternehmen in die Verantwortung zu nehmen, um faire Wertschöpfungsketten zu gestalten, fair zu produzieren und soziale und ökologische Mindeststandards zu gewährleisten, um damit für ihre menschrechtliche Sorgfaltspflicht einzustehen.

Zentrale Regelungen

Die zentralen Regelungen definieren neben den Pflichten der Unternehmen beim Schutz von Menschenrechten auch die Verantwortung für die gesamte Lieferkette – vom Rohstoff zum fertigen Produkt. Die Einhaltung wird extern durch das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) sichergestellt und Versäumnisse oder Verstöße mit Bußgeldern und sogar dem Ausschluss von der öffentlichen Beschaffung bestraft.

Zukünftige Pflichten der Unternehmen umfassen u.a.:

  • Grundsatzerklärung zur Achtung der Menschenrechte
  • Risikoanalyse & Risikomanagement
  • Beschwerdemechanismus
  • Transparente Berichtserstattung
  • Dokumentation und Berichtswesen
  • Unmittelbarer Zulieferer: Konkreter Plan zur Minimierung & Vermeidung
  • Mittelbarer Zulieferer: Sorgfaltspflicht nur anlassbezogen

Chancen und Risiken

Das Gesetz bietet durch eine verantwortungsvolle Wertschöpfungskette auch Chancen für alle Beteiligte. So können das Vertrauen und die Reputation der Stakeholder (Zulieferer, Mitarbeitende und Kunden) durch die Sicherstellung von fairem Handeln verbessert bzw. aufgebaut werden. Zudem können soziale Risiken und Umweltrisiken durch aktive Steuerung und Einflussnahme minimiert werden.

Für Unternehmen in der Immobilienbranche kommt das Lieferkettengesetz – neben dem eigenen Unternehmen – auch im Bereich Neubau / Entwicklung auch beim Management von Bestandsobjekten zum Tragen. Sofern hier noch keine Compliance Prozesse vorhanden sind, so gilt es zunächst die Lieferketten zu analysieren und Risiken zu identifizieren. Dies mit dem Ziel menschenrechtliche und umweltbezogene Risiken zu verhindern, zu beenden und abzumildern. Es gilt demnach die Einkaufs- und Beschaffungsrichtlinien von Neu- und Bestandobjekten in Zukunft noch genauer unter die Lupe zu nehmen und sofern erforderlich, Verträge mit Partnern, Dienstleistern und Zulieferern nachzuschärfen.

Ausblick und Kritik

Langfristig ist eine einheitliche und europäische Regelung geplant. Deutschland hat dazu im Rahmen der EU-Ratspräsidentschaft eine sog. Ratsschlussfolgerung zum Thema Menschenrechte und gute Arbeit in globalen Lieferketten eingebracht, welche durch alle 27 EU-Mitgliedstaaten bestätigt wurde.

Jedoch gibt es auch Kritik an dem neuen Gesetz. So beschreibt der „§ 3 LkSG sog. „Bemühenspflichten“ für Unternehmen, die weder eine Erfolgspflicht noch eine Garantiehaftung bedeuten. Sämtliche vorausgesetzte Sorgfaltspflichten stehen somit unter einem „Angemessenheitsvorbehalt“, der Unternehmen einen Ermessens- und Handlungsspielraum einräumt. Denn es wäre – so heißt es – unbillig, Unternehmen, auch wenn sie Menschenrechte sowie Umweltbelange beachten müssen, Unmögliches abzuverlangen.

Zudem sind globale Wertschöpfungsketten sehr komplex, was eine zuverlässige Risikoanalyse schwierig gestaltet. Außerdem sind kleine Unternehmen von dem Gesetz komplett ausgeschlossen und nicht der Einhaltung verpflichtet. Insgesamt deckt das Gesetz in Deutschland nur und 600 Unternehmen ab.

Wenn auch Sie sich mit Ihrem eigenen Immobilienunternehmen oder dem Portfolio im Bereich sozialer und ökologischer Verantwortung zukünftig gut aufstellen wollen, sind Sie bei EVORA Global an der richtigen Stelle.  Wir beraten Sie umfassend im Bereich ESG (Environmental Social Governance) und entwickeln gemeinsam für und mit Ihnen eine maßgeschneiderte Strategie – sprechen Sie uns an.

“Griaß di”, Belén Romero Pastor!

Mit dem Ende der GRESB-Saison starteten wir bei EVORA das zweite Halbjahr mit vielen weiteren spannenden Projekten. Zahlreiche Objekte werden auf ihre ESG-tauglichkeit durch unsere Kollegen und Kolleginnen geprüft, bewertet und im Anschluss, gemeinsam mit unseren Kunden, Strategien zur Verbesserung der ESG-Leistung erarbeitet. Diese Audits dürfen wir neben Objekten in Deutschland, unter anderem auch in den Niederlanden und Spanien durchführen.

Umso mehr freut es uns heute unsere neue Kollegin Belén Romero Pastor bei EVORA Deutschland im Team als Senior Sustainability Consultant begrüßen zu können. Belén ist M. Eng. im Bereich Energy Solutions und bringt umfangreiche internationale Kompetenzen aus mehr als 10 Jahren Erfahrung als Projekt Managerin, Researcherin und Beraterin im Bereich der Nachhaltigkeitsberatung mit sich. Sie spricht zudem 5 Sprachen, welches uns bei der Kommunikation mit den Kundenteams vor Ort stark unterstützt.

„Ich hatte die Gelegenheit, EVORA durch die Erzählungen der Menschen kennenzulernen, die es gestalten. Vom ersten Moment an, hat mich ihre Reichhaltigkeit, Vitalität und Neugierde begeistert. Menschen mit Grundfesten, Intentionen und Visionen.

Ich freue mich auf die tägliche Arbeit voller Engagement, die Erkundung übergreifender Systeme und Herausforderungen im Bereich der Nachhaltigkeit und darauf meine Kenntnisse und Erfahrungen als Auditor einbringen zu können, um Projekte zu entwickeln und Kunden und Teams in ihren „Actions to Visions“ zu begleiten.“ – Belén Romero Pastor

Belén, schön dich in der EVORA-Familie willkommen zu heißen!

Herzlich Willkommen Benjamin Meyn!

Wo ist die Zeit geblieben? Seit 6 Monaten ist EVORA Global nun an den Standorten Frankfurt am Main und Hamburg vertreten und betreut erfolgreich,  neben EVORAs langjährige Bestandkunden, auch eine stetig steigende Anzahl von Neukunden aus der DACH-Region. Wie auch die Fülle an spannenden und teils sehr herausfordernden Projekten, wächst auch das Team EVORA Germany. Und so freuen wir uns diesen Monat Benjamin Meyn im Team begrüßen zu dürfen. Benjamin wird in seiner Rolle als Senior Consultant den so wichtigen Bereich klimaresiliente Gebäude und energetische Optimierung verstärken.

Als gelernter Ingenieur für Gebäudetechnik und langjähriger Projektmanager von Gewerbe- und Logistikimmobilienentwicklung wird Benjamin sein Fachwissen gerade bei unseren stark fachgefragten Energie- und Klimaneutralitätsfahrplänen einbringen und unsere Kunden auch bei der Implementierung der Fahrpläne tatkräftig unterstützen.

“Die Energieindustrie erzeugt 40% der CO2 Emissionen, 50% dieser Emissionen fallen auf die Sektoren Gewerbe, Dienstleistung, Handel und Haushalte. Gerade die Optimierung der Gebäudetechnik in diesen Sektoren kann einen erheblichen Beitrag zur Verringerung der CO2 Emissionen leisten. Ich freue mich sehr darauf, als Teil von EVORA die Transformation des Real Estate Sektors in Richtung Klimaneutralität zu beschleunigen und freue mich auf die Herausforderung.” – Benjamin Meyn

Dank unserer talentierten und hoch motivierten Mitarbeiter wie Benjamin sind wir in der Lage, unsere internationalen Wachstumsstrategie zu realisieren und damit die großen Herausforderungen wie TCFD, Taxonomie und europaweite Klimaneutralitätsziele mit und für unsere Kunden anzunehmen.

Willkommen in der EVORA-Familie, Benjamin!

Finale EU-Taxonomiekriterien veröffentlicht – alles klar für den Immobiliensektor?

Klare Kriterien sollen dem Finanzsektor den Weg zu mehr Nachhaltigkeit weisen. Auch bei Immobilieninvestments soll transparenter werden, ob sie klimafreundlich sind. Die Europäische Kommission hat dafür am 21. April endlich den lange erwarteten, sogenannten delegierten Rechtsakt mit den technischen Bewertungskriterien für die Klimaschutzziele der seit 2020 geltenden EU-Taxonomie-Verordnung veröffentlicht: https://ec.europa.eu/info/law/sustainable-finance-taxonomy-regulation-eu-2020-852/amending-and-supplementary-acts/implementing-and-delegated-acts_en

Ab dem 1. Januar 2022 soll auf dieser Grundlage für alle Kapitalverwalter und Immobilienfonds bei Ihrer Berichterstattung bestimmbar sein, wann ein Investment als nachhaltig im Sinne der Taxonomie gilt. Der delegierte Rechtsakt zur Taxonomie soll Ende Mai offiziell verabschiedet werden.

Werfen wir einen näheren Blick auf die Anforderungen an nachhaltige Immobilien bzw. an deren Bau, Ankauf/Verkauf, Halten im Bestandsportfolio oder Renovierung:

Neubau:
Neubauten ab dem 1.1.2021 gelten als taxonomiekonform, wenn das Gebäude primärenergetisch 10 % besser als ist das jeweils national definierte „nearly Zero Energy Building“ (nZEB). In Deutschland bedeutet dies, dass ein Neubau um mindestens 10 % besser sein muss als der gesetzlich geforderte Standard nach dem Gebäudeenergiegesetz (GEG). Bei größeren Objekten (> 5.000 m2) sind außerdem Qualitätschecks (Luftdichtheit & thermische Integrität) sowie eine Ausweisung des Lifecycle Global Warming Potentials notwendig.

Bestandsimmobilien:
Bestandsimmobilien mit Baujahr vor 2021 müssen entweder die Effizienzklasse A laut Energieausweis erreichen oder nachweislich zu den besten 15 % des Bestands in Bezug auf den Primärenergiebedarf (national oder regional, differenziert nach Wohn- oder Nichtwohngebäuden) gehören. Außerdem gibt es für große Nichtwohngebäude Anforderungen an das Energiemanagement und die Gebäudeautomation, wenn die Nennleistung des Gebäudes inkl. Heizungsanlage, Anlagen für kombinierte Raumheizung und -lüftung, Klimaanlagen oder Anlagen für kombinierte Klima- und Lüftungsanlagen eine Leistung von 290 kW übersteigt.

Sanierungsmaßnahmen:
Einzelmaßnahmen zur energetischen Modernisierung wie die Installation effizienter technischer Gebäudeausrüstung, Fassadensanierungen sowie die Installation von Erneuerbare-Energien-Erzeugungsanlagen und E-Ladestationen sind ebenfalls taxonomiekonform. Bei Vollsanierungen reicht laut Taxonomie die Erfüllung der nationalen energetischen Mindestanforderungen an solche Sanierungen (aus dem GEG) oder eine Verbesserung von Minus 30 % in Bezug auf den Primärenergiebedarf durch die Sanierung, um das ganze Vorhaben als nachhaltig einzustufen. Planung- und Beratungsleistungen rund um die energetische Verbesserung von Immobilien gelten ebenfalls als nachhaltige Aktivität.

“Do no significant harm” (DNSH):
Neben den Hauptkriterien an die Energie-Performance von Gebäuden gelten noch Nebenanforderungen, die sicherstellen sollen, dass Bauaktivitäten die Umwelt nicht an anderer Stelle belasten. Hierzu gehören etwa Anforderungen an den maximalen Schadstoffgehalt von verwendeten Baustoffen oder deren Recycling, deren Einhaltung dokumentiert werden muss.

Also alles klar? Nicht ganz, es bleiben eine Reihe von Unsicherheiten, u.a.:

  • Die Kriterien wurden zum Teil in letzter Minute noch aufgeweicht und werden voraussichtlich in der Zukunft wieder angeschärft werden müssen, denn jedes Land definiert z.B. das nZEB anders, und in praktisch keinem EU-Mitgliedsstaat ist die Definition 2050-kompatibel. Es kann sich also lohnen, etwa bei Neubauprojekten heute schon mit einer attraktiven KfW-Förderung ambitionierter zu bauen, als für eine reine Taxonomie-Erfüllung nach heutigem Stand notwendig wäre.
  • Die Anforderungen an vor 2021 errichtete Bestandsobjekte bedeuten de facto, dass in allen Ländern die besten 15 % als nachhaltig deklariert werden können, egal wie energetisch gut oder schlecht der jeweilige Bestand ist. Allerdings lässt sich nach aktueller Lage in Deutschland für Nichtwohngebäude die Einstufung kaum nachweisen, da für sie bislang weder Effizienzklassen im Energieausweis eingeführt sind noch eine belastbare aktuelle Statistik oder öffentlich zugängliche Auswertungen von Energieausweis-Datenbanken vorliegen. Hier steht die Investment-Branche perspektivisch vor einem ganz praktischen Problem und die Bundesregierung muss schleunigst nacharbeiten.
  • Zum Nachweis der Erfüllung der Kriterien, gerade auch beim Thema DNSH, kann eine Menge Dokumentation anfallen. Hierfür braucht es die entsprechenden Standardprozesse, um die notwendigen Daten überhaupt zu ermitteln, und am besten eine gute elektronische ESG-Gebäudeakte, wie sie etwa durch die EVORA-eigene Software SIERA bereitgestellt werden kann.
  • Auch wenn viele Marktakteure erst noch an der Datenerfassung für die neuen Klima-Kriterien arbeiten, will die EU-Kommission schon Mitte 2021 den Konsultationsprozess für den nächsten Taxonomie-Kriterienkatalog starten. Dann geht es jenseits von Klimaschutz um die Nachhaltigkeitsthemen Meeres- und Gewässerschutz, Kreislaufwirtschaft, Reduzierung der Umweltverschmutzung und Erhalt der Biodiversität. Auch hier kommen auf den Gebäudesektor neue Herausforderungen zu.

Und wie taxonomiekonform ist Ihr Portfolio? Und wie sehen momentan Ihre Prozesse aus, um Ihren verschiedenen Stakeholdern diese Fragen sicher beantworten zu können? Wir unterstützen Sie gerne dabei, strategisch und operativ alle Herausforderungen durch die neuen Anforderungen zu meistern und Ihre Immobilieninvestments nachhaltig aufzustellen.

Neuer Bundestagsbeschluss: Für Immobilienhalter in Kürze Mieterstromlieferung ohne „Gewerbesteuer-Infizierung“ möglich

Der Bundestag hat letzte Woche (22. April 2021) das Fondstandortgesetz verabschiedet. Überraschenderweise enthält dies auch die Einführung verschiedener Erleichterungen für Mieterstrommodelle und E-Mobilität, die nun nicht mehr zu einer „Gewerbesteuer-Infizierung“ führen sollen: http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/19/288/1928868.pdf.

Die Zustimmung des Bundesrates ist dem Vernehmen nach schon für den 7. Mai vorgesehen. Die Neuregelungen sollen bereits für den Erhebungszeitraum 2021 Anwendung finden.

Zum Hintergrund

Gewerbliche Vermieter zahlen normalerweise keine Gewerbesteuer auf Ihre Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung. Bislang galt jedoch: Wenn der Vermieter zusätzlich eine Solaranlage oder eine Elektro-Ladesäule betreibt und daraus Einkünfte erzielt, sind nicht nur die so erzielten Einkünfte gewerbesteuerpflichtig, sondern das Zusatzgeschäft führt vielmehr auch dazu, dass die gesamte, sogenannte „erweiterte Gewerbesteuerkürzung“, für das Kerngeschäft der Vermietung komplett entfällt. Dies hat in der Vergangenheit oftmals dazu geführt, dass zum Beispiel Mieterstrommodelle weitgehend unattraktiv waren.

Die Neuerung

Der Gesetzgeber möchte nun das zuvor beschriebene Dilemma ändern und sieht vor, dass die Erzielung von bestimmten, bisher schädlichen Einkünften, zukünftig der erweiterten Gewerbesteuerkürzung für das Immobilien-Kerngeschäft nicht mehr entgegensteht. 

Das betrifft Einkünfte aus den folgenden Aktivitäten und mit einigen Einschränkungen:

  • Einspeisungen/Stromlieferungen aus dem Betrieb von Anlagen zur Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien;
  • dem Betrieb von Ladestationen für Elektrofahrzeuge oder Elektrofahrräder;
  • nur soweit die Einnahmen im Wirtschaftsjahr maximal 10 Prozent der Einnahmen aus der Gebrauchsüberlassung des Grundbesitzes betragen;
  • nur wenn die entsprechende Stromlieferung aus erneuerbaren Energien ausschließlich an Letztverbraucher erfolgt, die Mieter des Anlagenbetreibers sind.

Zusätzlich sollen künftig auch Einkünfte aus weiteren unmittelbaren Vertragsbeziehungen mit Mietern unschädlich sein, die:

  • aus anderen als den vorstehenden Quellen stammen, und
  • im Wirtschaftsjahr 5 Prozent der Vermietungseinnahmen nicht übersteigen. 

Die jeweiligen Einkünfte selbst sind zwar nicht von der erweiterten Kürzung erfasst und daher weiterhin gewerbesteuerpflichtig. Trotzdem ist die Neuregelung ein wichtiger Schritt hin zur stärkeren Nutzung der erheblichen Potenziale für PV-Anlagen auf den Dächern von Gewerbeimmobilien und Mehrfamilienhäusern. Dies mit dem Ziel, den Anteil der erneuerbaren Energien weiter auszubauen und die notwendige Infrastruktur für den Ausbau der Elektromobilität bereitzustellen!

EVORA Global erweitert Präsenz in Europa auf Iberischer Halbinsel

Nachhaltigkeit im europäischen Immobiliensektor bekommt neuen Impuls durch die Bekanntgabe der Partnerschaft von EVORA Global und INERIA Management.

EVORA Global freut sich, die Partnerschaft mit INERIA Management , einem in Spanien und Portugal agierenden Spezialist für ESG in der Immobilienbranche, bekannt geben zu dürfen. INERIA bietet eine Bandbreite an Beratungs- und technischen Dienstleistungen für den Immobilien-Investmentmarkt.

Lesen Sie mehr über die Partnerschaft auf unserer globalen Webseite.

EVORA Global stärkt Europa-Kompetenz: Ayosha Orth wird Associate Director, um die Expansion in Europa weiter voranzutreiben.

Der deutsche Immobilienfachmann und ESG-Experte Ayosha Orth wird zum 1. April 2021 Associate Director von EVORA Global. Das Londoner Unternehmen ist ein unabhängiger Softwareanbieter und Nachhaltigkeitsberater im gewerblichen Immobiliensektor und feiert dieses Jahr sein zehnjähriges Bestehen. Ayosha Orth bringt intensive Kenntnisse des europäischen Immobilienmarktes im Beratungsfeld Investment- und Asset-Management mit, insbesondere in DACH und Südeuropa. Er hat viele Jahre im Bereich Geschäftsentwicklung und Nachhaltigkeitsberatung gearbeitet, zuletzt als Senior Business Development Manager für den US-amerikanischen ESG-Softwareanbieter Measurabl. Davor waren seine Stationen Commerz Real AG, Duff & Phelps REAG sowie als selbständiger Berater auf der iberischen Halbinsel.

„Da ESG im Immobilienmarkt immer wichtiger wird, ist Ayosha Orth mit seinen einzigartigen Kenntnissen in diesen beiden Bereichen die perfekte Ergänzung, um uns in diesem komplexen Markt voranzubringen“, sagt Evora-Geschäftsführer Chris Bennett. „ESG, also Environmental, Social and Governance, ist Teil des Zeitgeistes in Europa geworden und gehört heute einfach dazu“, sagt Ayosha Orth. „Ich freue mich, bei Evora Global dazu beitragen zu können, neben den Unternehmenszielen auch die ESG-Ziele im Immobilienmarkt zu erreichen.“ Ayosha Orth wird eng mit dem Vorstand von Evora, dem SIERA-Softwaregeschäft und den europäischen Beratungsteams zusammenarbeiten, um die Kundenbedürfnisse durch technologiebasierte Beratungsdienste und führende Softwareprodukte auf ein neues Level zu heben.

Ayosha Orth ist Master of Science in Economics der Fachhochschule Münster, Deutschland, und der Universidad del Pais Vasco, Bilbao, Spanien. Neben Branchenkenntnissen bringt er hervorragende Sprachkenntnisse für die wichtigsten europäischen Märkte mit. Er ist langjähriges Mitglied des Urban Land Institutes, wo er in verschiedenen ehrenamtlichen Positionen der Young Leaders Group Europe aktiv war. Darüber hinaus ist er Dozent an der IREBS Immobilienakademie der Universität Regensburg. Sein Standort ist Bilbao.

„Ich bin überzeugt davon, dass sich die Investition in Immobilien endgültig geändert hat und ESG Teil des Zeitgeistes in Europa geworden ist. Europas Immobilieninvestmentmanager suchen nach einer erfolgreichen Kombination aus innovativen und maßgeschneiderten ESG-Software-Lösungen sowie etablierte Immobilienberatung, um Net-Zero-Carbon Ziele zu erreichen sowie Klimarisiken besser im Immobilienlebenszyklus zu steuern. EVORA Global bietet genau diese Tools an, um kundenspezifische Anforderungen zu übertreffen. Ich freue mich sehr, zu einem so wichtigen Zeitpunkt in das Unternehmen einzusteigen.“

Ayosha Orth, Associate Director

„Wir freuen uns sehr, Ayosha Orth im EVORA-Team begrüßen zu dürfen. Da ESG ganz oben auf der Prioritätenliste für Immobilieninvestitionen steht, bietet Ayosha Orth mit seiner einzigartigen Mischung aus Immobilien- und ESG-Erfahrung in Kombination mit EVORAs führender Kombination aus ESG-Beratung und -Software die perfekte Kombination, um die Marktteilnehmer durch diese komplexe und aufregende Zeit zu führen. “

Chris Bennett, Managing Director

Gebäudesektor verfehlt als ein einziger die Klimaziele 2020 – Sofortprogramm muss vorgelegt werden

Deutschland erreicht dank Corona-Lockdown die Klimaziele für 2020 – nur der Gebäudebereich verfehlt sein Sektorziel. Das ging aus den gestern vorgestellten, vorläufigen Emissionsdaten des Umweltbundesamtes (UBA) für das Jahr 2020 hervor, die erstmals nach den Vorgaben des Bundesklimaschutzgesetzes vorgelegt wurden. Was bedeutet das für die Immobilienbranche?

Mit dem Klimaschutzgesetz wurden 2019 für jeden Wirtschaftssektor eigene Klimaziele für das Jahr 2030 und Zwischenziele für jedes einzelne Jahr auf dem Weg dorthin festgelegt. Dies soll eine faire Lastenverteilung sichern und Verantwortungsdiffusion verhindern. Der Gebäudesektor muss seine direkten Emissionen bis 2030 auf maximal 70 Mio. Tonnen CO2 reduzieren – ein Rückgang von etwa 40% in 10 Jahren. Für 2020 waren 118 Mio. Tonnen erlaubt, ausgestoßen wurden aber 120 Mio. Tonnen. Zum Teil erwartbar waren im Corona-Jahr die Emissionen von Gewerbe- und Handelsimmobilien gesunken, die der privaten Haushalte jedoch gestiegen.

Nun greift im Klimaschutzgesetz ein automatischer Mechanismus: Wenn ein unabhängiges Expertengremium die UBA-Zahlen als belastbar bewertet, muss das für den Gebäudesektor zuständige Innen- und Bauministerium innerhalb von drei Monaten ein Sofortprogramm vorschlagen, dass den Sektor plausibel auf Zielkurs bringen könnte. Der Bundestag müsste dieses dann schnellstmöglich beschließen. Das kann in einem Wahljahr jedoch bedeuten, dass Beschlüsse erst nach der Bundestagswahl im Herbst gefasst werden. Sofortprogramme können von neuen Förderprogrammen bis zu Ordnungsrecht alles enthalten, was politisch möglich ist.

Fazit: Die Emissionen des deutschen Gebäudesektors sinken seit Jahren nicht im nötigen Maße, um den Klimazielen näher zu kommen. Die Zielmarke von 118 Mio. Tonnen für 2020 entsprach in etwa dem Wert von 2018 und war damit noch nicht ambitioniert. Die schwierigen Jahre liegen noch vor uns. Und je länger die Ziele verfehlt werden, desto deutlicher werden absehbar die politischen Gegenmaßnahmen ausfallen. Es lohnt sich also für Immobilienhalter, frühzeitig selbst die Initiative zu ergreifen, um flexible Lösungen zu finden.